Hilft die BITV 2.0 den Bürgern?

In Deutschland gibt es die Barriere·freie-Informations·technik-Verordnung.
Hurraki hat zu diesem Thema bei Politikern nachgefragt.

Die BITV 2.0 ist eine Verordnung.
BITV 2.0 ist eine Abkürzung.
BITV 2.0 heißt:
Barriere·freie-Informations·technik-Verordnung.

In der Verordnung stehen verschiedene Sachen zum Thema Barriere·freiheit.
In der Verordnung steht, dass alle Bürger Internet·seiten lesen können sollen.
Zum Beispiel: Internet·seiten sollen so sein,
dass auch Blinde einen Screenreader benutzen können.

Oder es soll Leichte Sprache Informationen geben.

Die Verordnung gibt es schon viele Jahre.
Das letzte mal wurde die Verordnung im September 2011 geändert.
Das heißt, die BITV 2.0 hat Geburtstag.

Deshalb hat Hurraki verschiedene Politiker gefragt:
„In Deutschland gibt es die BITV 2.0.
Viele Internetseiten von Ministerien und
Behörden haben jetzt einen Button für Leichte Sprache.
Reicht das für die Menschen die Leichte Sprache brauchen?“

Uwe Schummer ist Mitglied im Bundestag.
Er ist in der Partei CDU.
In seiner Partei ist er der Beauftragter für Menschen mit Behinderungen.
Er sagt:

Die BITV 2.0 bringt richtige und gute Verbesserungen für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.
Die Angebote in Leichter Sprache sind erste Schritte,
um auch auf die Zielgruppe der Menschen mit Leseschwierigkeiten einzugehen.
Teilhabe an Informationen sind ein wesentliches Menschenrecht,
das wir alle gemeinsam schrittweise umsetzen müssen.
Wer Leichte Sprache beachtet,
erreicht viel mehr Menschen.
Das haben auch schon viele Organisationen erkannt.
Leichte Sprache ist auf dem Vormarsch,
das ist bereits im Alltag erkennbar.
Auch politisch geht es mit der Leichten Sprache voran.
Bei der Novellierung des Behindertengleichstellungsgesetzes sollen etwa auch Bescheide, wie ein Rentenbescheid,
ergänzend in Leichter Sprache erläutert werden.
Über diesen Service werden sich sicherlich alle Bürgerinnen und Bürger sehr freuen.

Kerstin Tack ist Mitglied im Bundestag.
Sie ist in der Partei SPD.
In ihrer Partei ist sie die behindertenpolitische Sprecherin.
Sie sagt:

Die Einführung der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung war ein guter Schritt.
Wichtige Internet-Seiten haben jetzt ein Angebot in Leichter Sprache.
Viele Menschen in Deutschland können so besser verstehen,
was eine Behörde macht.
Der Button für Leichte Sprache ist dafür ein guter Wegweiser.

Aber wir brauchen noch mehr Angebote in Leichter Sprache.
Nicht nur auf der Bundes-Ebene.
Auch andere sollten Leichte Sprache auf ihren Internet-Seiten haben:
die Behörden der Länder und der Kommunen.
Und auch private Anbieter.
Und wir brauchen bessere Angebote in Leichter Sprache.
Nur allgemeine Informationen über eine Behörde reichen nicht.
Auch Gesetze sollten in Leichter Sprache erklärt werden.
Ein gutes Beispiel ist die Erklärung zum neuen Bundes-Teil-Habe-Gesetz.
Das Bundes-Ministerium für Arbeit und Soziales hat sie geschrieben.

Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich für mehr Leichte Sprache ein.
Zum Beispiel:
Sie will das Petitionsrecht für Menschen mit Behinderungen verbessern.
Das schreibt sie in einem Positions-Papier.
Dem Papier haben alle SPD-Abgeordneten im Januar 2015 zugestimmt.
Wir fordern darin: Menschen, die Leichte Sprache brauchen,
sollen sich gut informieren und eine Petition einreichen können.
Ich finde wichtig, dass alle Menschen verstehen:
Was passiert in der Politik?
Nur so können alle mitreden und teilhaben.
Darum setze ich mich weiter für die Leichte Sprache ein.

Corinna Rüffer ist Mitglied im Bundestag.
Sie ist in der Partei Bündnis 90 – Die Grünen.
In ihrer Partei ist sie die Sprecherin für Behinderten·politik.
Sie sagt:

Es ist gut, wenn Ministerien und Behörden einen Button für Leichte Sprache haben.
Das ist für viele Menschen eine Hilfe.
Aber es hilft nicht allen.
Zum Beispiel:
Manche Menschen können nicht lesen.
Ein Text in Leichter Sprache hilft nicht genug,
wenn jemand Leichte Sprache braucht und nicht lesen kann.
Dann muss jemand anderes vorlesen.

Katrin Werner ist Mitglied im Bundestag.
Sie ist in der Partei Die Linke.
Sie ist in ihrer Partei die behindertenpolitische Sprecherin.
Sie sagt:

Meine Partei, Die LINKE, und ich als behindertenpolitische Sprecherin der Linksfraktion treten dafür ein,
dass allen Menschen die gleiche gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird.
Dazu ist der Zugang zu barrierefreien Informationen elementar.
Es ist daher unerlässlich in allen gesellschaftlichen Bereichen das Angebot der Leichten Sprache zu erweitern.
Der Button für Leichte Sprache,
der inzwischen auf einigen Internetseiten von Bundesbehörden zu finden ist,
ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Doch das reicht nicht aus.
Auch private Unternehmen und Medien sollten meiner Meinung nach,
dazu verpflichtet werden ein Angebot an barrierefreien Informationen zur Verfügung zu stellen.

Kürzlich habe ich eine E-Mail von einer Bürgerin erhalten,
in der sie den Mangel an Inhalten in Leichter Sprache in der aktuellen Tagespolitik bemängelt hat.
Sie ist gezwungen auf die BILD-Zeitung zurückzugreifen.
Ich halte das für brandgefährlich.
Diese Zeitung darf nicht die einzige Informationsquelle für Menschen sein.
Das muss sich schleunigst ändern

Die BITV 2.0 gilt für die Behörden der Bundes·verwaltung.
In der BITV 2.0 steht:
Internet·seiten von Behörden sollen einen Button für Leichte Sprache haben.
Die Behörden sollen Leichte Sprache Infos für diese Sachen haben:

  • Informationen zum Inhalt
  • Hinweise zur Navigation sowie
  • Hinweise auf weitere in diesem Auftritt vorhandene Informationen in Deutscher Gebärdensprache oder in Leichter Sprache.

Viele Behörden haben jetzt einen Button für Leichte Sprache.
Meistens gibt es 1 – 3 Seiten in Leichter Sprache.
Alle anderen Seiten sind in schwerer Sprache.

Hurraki hat eine Frage an die Leser.
Hilft die BITV 2.0 den Bürgern?


UPDATE 19.09.2015 – 16 Uhr
Das Wort Gesetz durch das Wort Verordnung ersetzt.

7 comments

  1. Hallo Hurraki – die BITV 2.0 hilft allen Bürgern – nicht nur Menschen mit Behinderung. Leider wird sie nur nicht überall umgesetzt.

  2. Roman Braun sagt:

    Naja, daß die meisten Ministerien jetzt eine Leichte Sprache Seite haben auf der steht, wie man auf der Homepage rumklicken kann, macht die Inhalte nicht wirklich zugänglicher…

  3. Anja sagt:

    Hat das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen das ganze nicht erst ins Rollen gebracht. Sprich, die BITV ist Folge des Übereinkommens. Aber im Übereinkommen steht etwas von Beseitigung von Zugangshindernissen und -barrieren. (http://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdf – Artikel 9 – Zugänglichkeit) Außerdem steht dort: „Die Vertragsstaaten treffen außerdem geeignete Maßnahmen um den Zugang von Menschen mit Behinderungen zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, einschließlich des Internets, zu fördern“

    Diese Vereinbarung geht meiner Meinung um einiges weiter als die BITV 2.0. Eine typische Internetseite eines Ministeriums besteht aus hunderten Einzelseiten. Davon ist dann eine in Leichter Sprache. Die aktuellen Informationen sind grundsätzlich in schwerer Sprache. Hier von einer barrierefreien Internetseite zu sprechen ist schon sehr gewagt. Die BITV wird zwar eingehalten, mehr aber nicht. Sinnbildlich wäre das ungefähr so, wenn man eine Verordnung erläßt in der öffentliche Gebäude für Rollstuhlfahrer barrierefrei gemacht werden sollen. An allen Eingängen gibt es jetzt Rampen. Der Rollstuhlfahrer gelangt zu jedem Raum. Die Räume selbst sind nicht barrierefrei. Keine rollstuhlunterfahrbaren Tische, der Boden ist mit Flokatiteppich ausgelegt, zwischen Tischen und Stühlen paßt kein Rollstuhl durch usw.

    Meine Meinung: Die BITV reicht nicht und ist eher Augenwischerei. Sie taugt höchstens dafür, dass mehr Menschen auf das Thema Leichte Sprache aufmerksam werden. Menschen die auf Leichte Sprache angewiesen sind, denen werden sich die Inhalte der Seite nach wie vor nicht erschließen.

  4. Kerstin sagt:

    In dem Artikel ist davon die Rede, dass die BITV 2.0 ein „Gesetz“ sei. Diese Information ist nicht richtig. Die BITV 2.0 ist eine Verordnung und hat nicht, wie es bei Gesetzen immer der Fall ist, ein Gesetzgebungsverfahren durchlaufen. Ich bin schon der Meinung, dass Informationen in Leichter Sprache nicht so vereinfacht werden sollten, dass sie falsch werden.

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