Leichte Sprache in der verbalen Kommunikation

Hurraki Leichte Sprache MegaFür Leichte Sprache gibt es Regeln.
Diese Regeln sind für geschriebene Texte.
Gibt es auch eine gesprochene Leichte Sprache?
Hurraki hat bei Brigitte Seidel vom
Büro für Leichte Sprache Klartext nachgefragt.

Frau Seidel,
was ist verbal Leichte Sprache?

Antwort von Frau Seidel:

Sie legt wichtige Erkenntnisse von Sprachwissenschaftlern zugrunde und wendet sie in leicht verständlicher Form für und mit den Zielgruppen an. Menschen, die auf Leichte Sprache oder einfache Sprache angewiesen sind erfahren, welche Prozesse und Faktoren die Kommunikation bestimmen.

Die Zielgruppen lernen, welche Faktoren eine gelingende oder nicht gelingende Kommunikation ausmachen.

Die Idee dazu bekam ich zum einen, weil mir aufgefallen ist, dass sich das Regelwerk Leichte Sprache nur auf schriftliche Texte bezieht. Auch der Ratgeber Leichte Sprache, der vom Bundesministerium in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Leichte Sprache herausgegeben wurde, bezieht nur einen ganz kleinen Teil auf gesprochene Sprache und nur in unmittelbarem Zusammenhang mit Vorträgen.

Verbale Kommunikation im Zusammenhang mit Leichte Sprache macht aber den weit größeren Teil des Lebens dieser Zielgruppen aus und daher ist sie mindestens genauso wichtig, besonders für soziale Einrichtungen und Behörden.

Zudem glaube ich, dass manche Probleme im sozialen Miteinander besser gelöst werden können, wenn die Beteiligten die Prozesse und Faktoren der Kommunikation kennen und damit Lösungsansätze angeboten werden.

Kommunikationswissenschaftliche Aspekte werden damit einer breiten Bevölkerung zugänglich gemacht und sind nicht mehr nur Gruppen mit spezifischem Fachwissen vorbehalten.

Ein zweiter Punkt, der mich zu dieser Idee führte -und letztlich den Ausschlag gab- war der Auftrag für eine Schulung für Prüfer von Texten in Leichte Sprache. Für diese Prüfgruppe musste ich ein völlig neues Schulungskonzept erstellen.

Darin waren Teile, die die verbale Sprache betreffen, denn die Prüfer sollten mich ja gut verstehen können. Ich war gezwungen meinen Sprechrhythmus zu verändern und musste meine Erfahrungen mit Begriffen einbringen, die für die Prüfgruppe vertraut ist.

Das Konzept „Leichte Sprache in der verbalen Kommunikation“ nahm seinen Anfang. Inzwischen ist es ein wichtiger Teil in meinen Vorträgen und Schulungen.

Vielen Dank für ihre Antwort Frau Seidel.

Hier geht es zum Büro für Leichte Sprache Klartext:
www.klartext-lebenshilfe.de

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