Nachgefragt: Büro für Leichte Sprache: dat medienhus GbR

Leichte Sprache Logo von Inclusion Europe

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Das Hurraki Tagebuch stellt regelmäßig ein
Büro für Leichte Sprache vor.
Heute stellen wir das dat medienhus vor.

Andreas Molau vom Büro von dat medienhus
hat auf unsere Fragen geantwortet.

Was bedeutet Leichte Sprache für Sie?

Leichte Sprache ist für das Zusammenleben in der Gesellschaft notwendig. Es gibt immer mehr funktionale Analphabeten. Diese Menschen können einzelne Worte lesen, aber keine ganzen Texte. Deshalb ist Leichte Sprache für uns auch ein sehr weites Feld. Sie ist für viele Deutsche wichtig, für Menschen mit Behinderungen, jedoch ebenso solche, die zu uns als Flüchtlinge oder Einwanderer kommen.

Wir arbeiten viel mit Behördentexten. Da fällt uns dann auf. Einige Texte sind schon im Original so schwer, dass man sie kaum verstehen kann. Leichte Sprache erinnert uns daran, dass man im »normalen Leben« ebenfalls manches leichter sagen kann.

Leichte Sprache soll leicht sein. Aber sie darf auch schön sein. Sie muss die Leserinnen und Leser ernst nehmen.

Wer schreibt die Texte in Leichter Sprache?

Ich schreibe die Texte selbst. Wir haben jedoch noch einen Kollegen, der gegenliest. Der kann im Krankheitsfall übersetzen.

Welche Hilfsmittel benutzten Sie?

Es gibt ja verschiedene Handbücher. Ich gucke auch immer wieder ins Hurraki-Wörterbuch und nehme mir dann vor, einmal etwas für dieses tolle Projekt beizusteuern. Das Interview nimmt mich jetzt endlich in die Pflicht.

Wie werden die Texte auf Verständlichkeit geprüft?

Wir haben Menschen im Umfeld, die die Texte gegenlesen. Die kommen aus dem Behinderten-Bereich, aber auch aus dem pädagogischen Bereich. Ich selbst war in der Primarstufe Lehrer und habe die Erfahrung gemacht: Mit kleinen Kindern muss man immer verständlich reden. Das schult.

Für wen schreiben Sie Texte?

Wir schreiben regelmäßig Texte für das niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Dann haben wir schon im kommunalen Bereich zum Beispiel für eine Freiwilligenagentur gearbeitet und entwickeln gerade Ideen für die Extremismusprävention. Schwieriges einfach zu sagen ist wichtig für unsere Gesellschaft.

Was kostet ein Text in Leichter Sprache?

Das kommt natürlich ein bisschen auf den Ausgangstext an und das Budget des Auftragsgebers. Leider ist nicht immer Geld für leichte Sprache da. Deshalb haben wir auch schon ehrenamtlich Texte zur Verfügung gestellt. Da wir uns in unseren Medienbüro dat medienhus auch mit anderen Sachen beschäftigen, Facebookmarketing, Auftragstexte jeder Art, versuchen wir mit einer Mischkalkulation zu arbeiten. Leichte Sprache darf nicht am Geld scheitern.

Welchen Text sollte es in Zukunft unbedingt auch in Leichter Sprache geben?

Oh. Da gibt es viele. Ganz persönlich finde ich kirchliche Projekte gut. Das katholische Bibelwerk Stuttgart sorgt zum Beispiel für die Übersetzung von Bibeltexten. Das finde ich toll. Auch über leichte Sprache kann man Werte vermitteln. Im Übergang zur einfachen Sprache hin sollte auch Literatur kein Tabu sein. So wichtig wie Regeln auch sind. Ich finde, es muss sich hier wirklich erst mal etwas entwickeln. Schubladen und Kategorien behindern dabei die Kreativität. In zehn Jahren haben wir vielleicht Texte in Leichter Sprache, von denen wir bisher noch nicht mal geträumt haben. Diese Möglichkeiten mit Sprache neu umzugehen, finde ich faszinierend.

Hier geht es zu dat medienhus:
www.dat-medienhus.de
Hier geht es zum Leicht Lesen Blog:
www.lesen-leicht.de

Das ist die Adresse von dat medienhus:
Breite Straße 2
38321 Denkte b. Wolfenbüttel

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