Nachgefragt: Ralf Beekveldt

Hurraki Nachgefragt
Ralf Beekveldt antwortet.

Herr Beekveldt,
Was bedeutet Leichte Sprache für Sie?

Antwort von Herr Beekveldt:

Wie Sie wissen,
gibt es in Deutschland 7,5 Millionen „funktionale Analphabeten“.
Das sind Erwachsene, die nicht richtig lesen und schreiben können.
Darüber hinaus gibt es eine große Gruppe von Menschen,
die ungern lesen und eine schlechte Rechtschreibung haben.
Zusammen sprechen wir über ein Viertel der Bevölkerung
(laut level one-Studie der Uni Hamburg, 2011).

Für all diese Nicht-Leser
habe ich den Spaß am Lesen Verlag gegründet.
Wir verlegen Bücher und Zeitungen in Einfacher Sprache.
Außerdem helfen wir mit unserer Agentur Klar & Deutlich
Behörden und Unternehmen,
ihre Informationsmaterialien so zu gestalten,
dass jeder sie verstehen kann.

Die Leichte Sprache ist für den geübten Leser
auf den ersten Blick etwas gewöhnungs-bedürftig.
Sie kommt ursprünglich aus der Behinderten-Selbsthilfe,
daher sind die Texte wirklich so einfach wie möglich gestaltet.
Aber für viele Menschen ist das die einzige Möglichkeit,
überhaupt lesen zu können.
Die Leichte Sprache ist also ein wichtiger Schritt
in Richtung Inklusion.
Ich persönlich habe mich jedoch
nach meiner langjährigen Arbeit in diesem Bereich entschlossen,
die Einfache Sprache zu fördern.

Mir war es wichtig, mehr Menschen mit einzubeziehen.
Zum Beispiel:
Funktionale Analphabeten, Legastheniker,
Menschen mit geringer Bildung oder
ohne Schulabschluss und
Menschen mit einer anderen Muttersprache als Deutsch.
Genau wie bei der Leichten Sprache
sind Texte in Einfacher Sprache dazu da,
dass man sie gut versteht.
Es sind aber ein paar Dinge erlaubt,
die in Leichter Sprache nicht erlaubt sind.
Vor allem beim Satzbau gibt es Unterschiede.
Dadurch ist mehr Abwechslung möglich und
die Texte sind spannender.
So kann es passieren,
dass ein geübter Leser einen Text in Einfacher Sprache liest,
und es ihm gar nicht auffällt.
Die Förderung der Einfache Sprache ist für mich sehr wichtig.
Denn sie hilft allen Menschen.
Egal, ob man gut lesen kann oder nicht:
Ein Text in Einfacher Sprache ist
viel angenehmer als ein komplizierter Text.
Und schwierige Sprache schließt Menschen aus,
Einfache Sprache nicht.
Deshalb ist es wichtig, dass Behörden, Politiker und
Unternehmen so verständlich wie möglich sagen, was sie wollen.

Mit unseren Büchern in Einfacher Sprache
können ungeübte Leser ihre ersten „Lesekilometer“ machen.
Das bedeutet: Sie lesen und haben Spaß dabei.
Für viele ist das eine neue Erfahrung,
die sie unglaublich motiviert.
Wenn dieser Schritt geschafft ist,
geht das Lesenlernen fast von allein.
Denn mit jeder Zeile gewinnen
die Leser Sicherheit und Selbstvertrauen.
Immer wieder fragen wir deshalb Autoren und
Verlage, ob wir aktuelle Bestseller „übersetzen“ dürfen.
Manchmal klappt das auch.
Wie zum Beispiel bei dem Buch
Ziemlich beste Freunde von Phillipe Pozzo di Borgo.
Oder jetzt ganz aktuell Tschick von Wolfgang Herrndorf.
So kann eine zugängliche Sprache
auf mehrfache Art und Weise Teilhabe ermöglichen.
Das ist es, wofür ich mich gerne von ganzem Herzen einsetze!

Vielen Dank für Ihre Antwort Herr Beekveldt.

Zur Person:
Ralf Beekveldt ist Chef des Spaß am Lesen Verlags in Münster.

Der Verlag hat eine Einfache Zeitung
und produziert bekannte Bücher in sehr einfacher Sprache.
Bücher werden in Einfache Sprache umgeschrieben.

Hier geht es zur Internetseite des Spaß am Lesen Verlags:
http://www.spassamlesenverlag.de

Internetseite der Einfachen Zeitung (Klar & Deutlich):
http://www.einfachezeitung.de

Spaß am Lesen Verlag bei Facebook:
https://www.facebook.com/spassamlesen

Spaß am Lesen Verlag bei Twitter:
https://twitter.com/SpassAmLesen

Artikel über Spaß am Lesen Verlag:
http://hurraki.de/blog/neuigkeiten-bucher-und-zeitung-in-einfacher-sprache/

 

Die Aktion:
Hurraki hat verschiedene Personen gefragt.
Jede Woche antwortet eine andere Person.
Die Aktion heißt: Nachgefragt

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